Bericht zur Mundartmesse in der Pfarrkirche St. Antonius in Röhe
Eschweiler Nachrichten, Dienstag, 31.
Januar 2012
Messe zeigt:
„Amen“ und „Alaaf“ passen wunderbar zusammen
Kirche voll besetzt bei karnevalistischer Mundart-Messe in St. Antonius
Eschweiler In diesen Tagen verschwimmen die Grenzen zwischen dem
erst am 2. Februar zu Ende gehenden kaholischen Weihnachtskreis (früher:
„Mariä Lichtmess“) und der zeitlich weit vor den „heißen Tagen“ in sie
hineinreichenden Karnevalszeit. „Alaaf“ und „Amen“ üben friedliche Koexistenz.
Zumal dem rheinischen Katholizismus sauertöpfische Weltflucht jenseits
der Fastenzeiten ja ohnehin fremd ist.
Bisweilen finden Kirche und Karneval sogar zusammen. Die „Bühne“: Altar
und Kirchenraum der Pfarrkirche St. Antonius Röhe, wo der Männergesangsverein
(MGV) St. Gregorius Röhe unter der Stabführung von Chordirektor Helmut
Lausberg mit karnevalistischen Gästen die Mundart-Messe feierte. Zu prächtigen
Bläserklängen, die passend zum endgültigen „Jahreszeiten-Wechsel“ die
Weisen von „Tochter Zion“ und Prinzenlied anstimmten, hielt Stadtprinz
Alfred III. – selbst passionierter Mundartdichter – Einzug in die vollbesetzte
Kirche.
Noch einmal vermählten sich Alaaf und Amen
in wogenden Tönen: Als nämlich Kantor Franz Surges bei der Kommunion
eine glänzende Orgel-Improvisation hinlegte. Tochter Zion
bildete die Eckpunkte der kleinen Sinfonie, dazwischen mischte sich der
(karnevalistische) Dom va Kölle in die Manuale und Pedale.
Gestalteten also Instrumentalisten das Proprium der Messe, so der Männergesangsverein
Teile des Ordinariums: mit der Deutschen (besser: der textlich hierzu
mutierten rheinischen) Messe von Franz Schubert ungewohnt,
aber originell. Wie überhaupt dann auch die Messtexte des Kölschen
Gebetsbuches Dem Här zo Ihre - damals in freier Mundart
vom Röher Heimatforscher Franz Koch übersetzt bewiesen:
Moddersproch bringt oft knapper und passender auf den Punkt,
wozu die Hochsprache manchmal Umstandskrämer benötigt.
Erwähnte Originalität strömte auch aus dem religiösen
Gedicht von Hans von Reth über rechten Lebensgenuss und die Predigt
von Pastor Christoph Graaff. Die Gleichstellung von Pfarrer und Prinz
als Seelsorger mutete zunächst vermessen an. Doch die
Argumentation (selbstverständlich auch in Platt) war
schlicht wie umwerfend: Sind nicht beide Therapeuten der Lebensfreude
für Menschen, denen Themen wie Arbeitsmarkt und Eurosklerose den
Alltag vergellen? Pastor und Narrenherrscher stehen Seit an Seit, wenn
es darum geht, was Jesus im Evangelium des Tages schon leistete: die Austreibung
der unreinen Geister. Die beschweren ja zu allen Zeiten den
Seelenfrieden der Menschen.
Von Erdenschwere war in Röhe jedenfalls nichts zu spüren. Beschwert
nämlich am Hals mit den Vereinsorden der KG Onjekauchde
verließen allenfalls die Zelebranten, Prediger und musikalischen
Leiter des Gottesdienstes die Pfarrkirche. (jope)

Alaaf und Amen - geht das zusammen?
Bei der erlebenswerten Mundartmesse in Röhe lautete die eindeutige
Antwort: Bestens!
Foto: Joachim Peters
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