Chronik
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Aus der Festschrift zum 125jährigen Bestehen
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Bericht zum 135jährigen Bestehen
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Aus der Festschrift 600 Jahre Röhe (1948)
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Berichte zum 140jährigen Bestehen
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Berichte zum 150jährigen Bestehen
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Der Gründer des
"Gregorius-Vereins zu Röhe"
Lehrer Severin Vogler
Dirigent von
1861 - 1889
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Aus der Vereinschronik des
MGV St. Gregorius Kirchenchor
Wenn in diesem Jahre der MGV St. Gregorius/Kirchenchor der Pfarre St.
Antonius als einer der ältesten Röher Vereine sein 125jähriges
Bestehen feiert, so ist das zu Recht Anlaß zu einem etwas eingehenderen
Rückblick auf das bewegte und für jeden Röher Bürger
interessante Vereinsgeschehen.
Genau genommen, darf man den MGV St. Gregorius sogar als den ältesten
Ortsverein bezeichnen; denn aus dem vor ca. 50 Jahren bekannt gewordenen
Inhalt eines Briefes des ehemaligen Röher Lehrers Severin Voglers
geht klar hervor, daß er den Chor bereits im Jahre 1853 gegründet
hat. Er schickte diesen Brief vor dem goldenen Jubelfest des Vereins,
das 1911 gefeiert wurde, an den damaligen Dirigenten Herrn Johann Conrads.
Wenn der Röher Kirchenchor erst in diesem Jahre sein 125jähriges
Bestehen feiert, so liegt das daran, daß vermutlich im Jahre 1861
ein Vorstand gebildet wurde. Somit gilt offiziell das Jahr 1861 als Gründungsjahr.
Leider wurde in den ersten fünf Jahrzehnten keine Vereinschronik
geführt, so daß man später ausschließlich auf die
mündliche Überlieferung alter Mitglieder angewiesen war.
Ältestes Dokument der Vereinsgeschichte: Brief des Gründers
aus dem Jahre 1910
Im Juli 1853 bildete sich unter Mitwirkung des Herren Pfarrers Johnen
aus sangeslustigen jungen Leuten ein Kirchenchor, der neben dem Kirchengesange
auch den weltlichen Gesang pflegte und diesen in Conzerten zur Anwendung
brachte. Dieser Röher Gesangverein fand durch Teilnahme vieler inaktiver
Mitglieder reichliche Unterstützung. Herrlicher Kirchengesang und
wohlgelungene Conzerte machten den Röher Gesangverein weithin berühmt.
Zur höchsten Blüte kam der Verein, als Herr Vikar Esser vom
Jahre 1861 an Präses des Vereins war. Zu seiner Zeit gab der Verein
am Tage der Glockenweihe das schönste aller Conzerte unter Mitwirkung
der berühmten Kapelle Rothschuh und der zwei berühmten Sänger,
der Herren Strom und Schau von Aachen. Der Reinertrag war so glänzend,
daß der Verein dem Kirchenvorstande 60 Thaler zur neuen Glocke überreichen
konnte. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins waren damals außerordentlich
günstig, so daß der Verein von den "Ehrwürdigen Schwestern
vom Armen Kinde Jesu" eine herrliche Fahne, danach eine Statue des
hl. Gregorius herstellen ließ. Damals wurde der Verein auch umgetauft
mit dem Namen St.-Gregorius-Verein, und wurden die bisher mündlichen
Statuten in schriftliche umgewandelt.
Bald danach wurde der St.-Gregorius-Verein auch einer zweiten Taufe unterzogen.
Das trug sich also zu: Der S.G.V. nahm damals an einem Wiesengesangsfeste
des Würselener Kirchenchores teil. Unaufhörlich rauschte der
Regen während der Festfeier vom Himmel herab, auch noch bei unserer
Heimreise durch Dobach und St. Jobs. Unter Gesang lustiger Lieder wanderten
wir frisch voran, Mann an Mann, achteten des heftigen Regens, in der Dunkelheit
auch nicht des Weges und rannten, der Herr Präses an der Spitze,
in den St. Jobser Pfuhl hinein, wobei einer ertrank, nämlich der
funkelnagelneue Hut des Herrn Vikars. Vor drei Jahren erinnerte sich Herr
Esser, Oberpfarrer in Jülich, noch an dieses Ereignis und stellte
in Aussicht, an einem 50jährigen Jubiläum des S.G.V. mitfeiern
zu wollen. Leider ist er nicht mehr unter den Lebenden.
Mit dem Wechsel der Zeiten wechselte der Verein nicht seine Tätigkeit,
gab vielmehr seinen Weihnachtsaufführungen einen religiösen
Charakter, was großen Beifall fand. Nur Tage der Wonne hat der Verein
bis dahin durchlebt. Aber mit des Schicksals Mächten ist kein ew'ger
Bund zu flechten; auch dem Verein wurde der Kelch der Bitterkeit dargereicht.
Das war in dem bösen Kulturkampf.
Es wurde dem Verein auf Verlangen eines gewissen Herrn der Kirchengesang
entzogen, wobei zugleich der Dirigent und Organist des Friedens wegen
auf den Orgeldienst verzichtete. Dirigent und Verein aber hielten in ihrer
zweiten Eigenschaft als weltlicher Verein fest zusammen, bis sie endlich
am Vorabend des hl. Fronleichnamsfestes auf höhere Anordnung den
Kirchengesang wieder übernahmen.
Wenn in späterer Zeit den Kirchenchor ein ähnliches Schicksal
traf, so ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen, daß auch in Zukunft
aus ihrem Munde wieder in der Kirche das Lob Gottes erschallen werde.
Ergänzung zu dem Text von Severin Vogler bzw. dem Brief von 1910
Mit dem letzten Satz spielt Lehrer Vogler auf eine Vereinskrise an, die
nach dem Ende seines Nachfolgers Hubert Bertrams 1908 entstanden war.
Der Chor bestand darauf, daß der bisherige Vizedirigent Johann
Conrads, ein Autodidakt mit hervorragender musikalischer Begabung, die
Stelle als Küster, Organist und Chorleiter erhalten solle. Pfarrer
Hintzen lehnte ab, für ihn kam nur ein Kirchenmusiker mit Examen
in Frage. Die Fronten verhärteten sich, es kam zum Eklat. Pfarrer
Hintzen setzte die Berufung eines ortsfremden Organisten durch, die Mehrzahl
der Gregoriussänger jedoch war nur bereit, unter dem Dirigat ihres
Sangesbruders Johann Conrads zu proben und öffentlich aufzutreten.
Das hatte zur Folge, daß der St.-Gregorius-Verein nicht mehr als
Kirchenchor fungieren konnte und ein neuer Kirchenchor, "St. Cäcilia
Röhe", gegründet wurde.
Während dieser Chor sich auf die Dauer nie so recht behaupten konnte,
brach für den St.-Gregorius-Verein eine neue Blütezeit an. Dirigent
Johann Conrads, eine Persönlichkeit mit starker Ausstrahlung und
mit Fingerspitzengefühl für Auswahl und Interpretation guter
Chorliteratur, machte seinen Chor bald weit über die Ortsgrenzen
hinaus bekannt.
Seine zielbewußte Arbeit, seine einmalige Art der Menschenführung
und Chorleitung formten den St.-Gregorius-Verein zu einer verschworenen
Gemeinschaft, deren Geist Generationen überdauerte und heute noch
lebendig ist.
Es dauerte jedoch mehr als ein Jahrzehnt, bis ein Kompromiß den
Röher "Sängerkrieg" beendete. Gregorius-Verein und
Cäcilienchor schlossen sich unter dem neuen Namen "St.-Gregorius-Kirchenchor"
wieder zusammen. Der Chorleiter des Cäcilienchores, Arnold Fehr,
blieb Küster und Organist, Johann Conrads übernahm die Chorleitung.
Präses wurde Pfarrer Hintzen.
Zeitungsbericht über das goldene Jubelfest im "Bote an der
Inde" vom 17.7.1911
Das goldene Jubelfest des St.-Gregorius-Gesangvereins zu Eschweiler-Röhe,
das am gestrigen Sonntag (17. 7. 1911) begangen wurde, nahm einen würdigen
und glänzenden Verlauf. Röhe trug sein schönstes Feierkleid.
Morgens wohnten die aktiven und inaktiven Mitglieder, zusammen etwa 150
an der Zahl, dem Festgottesdienst bei. In ihrer Mitte befanden sich auch
zwei Jubilare aus dem Gründungsjahre, der erste Dirigent, Herr Hauptlehrer
a. D. Vogler, jetzt in Weiden, und Herr Pohlen, Röhe. Beide trugen
goldene Kränze. Ein dritter Mitbegründer, Herr Simons, der infolge
seines Gesundheitszustandes am Feste nicht unmittelbar teilnehmen konnte,
wurde durch ein Ständchen an seiner Wohnung in der Nickelstraße
geehrt. Den Glückwunsch und Dank an die Gründer übermittelte
Herr Lammertz. Nachmittags formierte sich ein imposanter Festzug, an dem
die sämtlichen Ortsvereine und zahlreiche Brudervereine aus der Nachbarschaft
sich beteiligten. In acht Wagen, die von schmucken Reiterscharen eskortiert
wurden, fuhren die Ehrengäste mit, darunter Herr Bürgermeister
Dr. Hettlage, Herr Pfarrer Hintzen, Herr Vikar Pütz, Herr Beigeordneter
Krüger sowie die Herren Stadtverordneten Leufgens und Elsen und die
Jubilare. Außer den drei erwähnten Gründern bemerkte man
noch 8 Silberjubilare, die Herren Büttgen, Carduck, Emunds, Frings,
Josef Müller, Peter Müller, Mütter und Nellessen, sämtlich
mit silbernem Kranze geschmückt. Unter den fröhlichen Klängen
der Eschweiler Stadtkapelle und des Musikkorps des Aachener Hüttenvereins
zog der lange Zug seine lange Bahn, überall von Hunderten besehen
und bewundert. Nach 5 Uhr begann auf der Festwiese hinter der Restauration
Müllejans ein großes Gesang- und Musikfest. Der Jubelverein
sang zunächst einen wuchtigen und stimmungsvollen Begrüßungschor
von Gernsheim, "Willkommen, ihr Sänger!" Trotz der Anstrengungen
des Marsches wurde mit großer Bravour gesungen. Reicher Beifall
lohnte die Sänger und ihren wackeren Dirigenten, Herrn Conrads.
Den Willkomm im Liede bekräftigte der zweite Vorsitzende des Festkomitees,
Herr Franz Goerres, durch das gesprochene Wort. Er hieß alle Festgenossen
willkommen, gedachte der Zeit, da der Verein vor 50 Jahren von dem nunmehr
89jährigen Herrn Vogler begründet worden sei und betonte, daß
die Liebe zum Gesange wie einst so auch heute die Gregoriussänger
beseele und verbinde. Die große Sympathie, die dem Verein entgegengebracht
werde, äußere sich u. a. in dem aus 70 Bürgern der verschiedensten
Stände zusammengesetzten Festausschüsse, in der allgemeinen
Teilnahme am Feste aus der Nähe und aus der Ferne und in der Anwesenheit
so vieler Ehrengäste. Allen sprach er im Namen des Vereins den besten
Dank aus. Er schloß mit dem begeistert aufgenommenen Hoch auf die
Ehrengäste.
Herr Bürgermeister Dr. Hettlage dankte für die freundliche
Einladung zum Feste. Er sei ihr von Herzen gern gefolgt, um dem Jubelverein
im eigenen und im Namen der Stadtverwaltung den herzlichsten Glückwunsch
auszusprechen und ihn der aufrichtigsten Sympathie zu versichern. Der
Verein verdiene sie, weil er in den 50 Jahren seines Bestehens so viel
Schönes und Mustergültiges geleistet und davon soeben wieder
eine glänzende Probe abgelegt habe. Der St.-Gregorius-Verein gehöre
zu den treuen und erfolgreichen Schützern des deutschen Liedes, das
bei allen edlen Menschen Anerkennung und Unterstützung finde. Für
ihre Verdienstlichkeit gebühre allgemeiner Dank den Sängern
und ihrem Dirigenten. Es freue ihn ganz besonders, heute auch den ersten
, Dirigenten und Begründer, Herrn Vogler, begrüßen und
ihm für sein edles Streben zur Pflege des Gesanges und für seine
39jährige treue Lehrtätigkeit im Dienste der Stadt, die ja auch
vom Landesherrn anerkannt worden sei, den wohlverdienten Dank aussprechen
zu können. Von der heutigen Feier, die dem deutschen Lied gelte,
richte sich von selbst der Blick auf dessen höchsten irdischen Protektor,
auf Se. Majestät den Kaiser und König. Ihm erklang ein urkräftiges
dreifaches Hoch ringsum aus dem großen, starken Chore deutscher
Sänger. Nunmehr folgte, zeitweise unterbrochen von ansprechenden
Musikweisen, eine stattliche Reihe reizender Männerchöre, von
den einzelnen Vereinen abwechselnd vorgetragen. Es waren fast durchweg
vorzügliche Leistungen. Jeder Teilnehmer schied mit dem Bewußtsein,
schöne Stunden verlebt zu haben. Jedenfalls hat das Jubelfest manche
neue Anregung gegeben, neue Sangeslust erweckt und neue Sangesfreunde
geworben. Dem Jubelverein zum Schlusse auch unseren herzlichsten Glückwunsch!
Auszug aus der Festschrift des St.-Gregorius-Kirchenchores anläßlich
seines 60jährigen Bestehens am 18.9.1921
Fester gefügt wurde der Verein durch ein Statut, das am 28. Mai
1875 niedergeschrieben und von sämtlichen Mitgliedern unterschrieben
wurde. Der erste Absatz des Statuts lautet: "Der Zweck des Gregorius-Vereins
ist die Pflege des Gesanges in jeglicher Richtung sowie gesellige Unterhaltung."
Die Stellung des Vereins zum Kirchengesang wird trefflich beleuchtet durch
den letzten Satz: "Da der Verein den Kirchengesang zur Verherrlichung
des Gottesdienstes pflegen wird, so hat auf dessen Antrag der Herr Pfarrer
Johnen das Ehrenamt eines Protektors des Vereins übernommen."
In den Wohnungen alter Sänger wie auch im Vereinslokale findet man
ein Bild, das wohl auch wie das Statut in den Jahren nach dem Krieg von
1870/71 entstand. In der Mitte zeigt es den Pfarrer Johnen und den Dirigenten
Vogler, zu beiden Seiten die gewiß stattliche Anzahl von 45 Sängern,
die, der damaligen Sitte entsprechend, vielfach einen Bart trugen. Ganz
im Anfang war der Verein nicht so stark und mußten Knaben und Mädchen
bei den gesanglichen Aufführungen, auch in der Kirche, helfen. Ordentlich
stolz sind die Alten darauf, daß sie in den Anfangsjahren des Vereins
im Knabenchor mitgesungen haben, bis sie, 18 Jahre alt geworden, als eigentliche
Mitglieder aufgenommen werden konnten.
Volle 28 Jahre lang hat Lehrer Vogler den Verein dirigiert, bis bei seinem
Weggange im Jahre 1889 der Küster und Vizedirigent Hubert Bertrams
die Leitung des Vereins übernahm. Und als nach 19 Jahren opferreicher
Tätigkeit Bertrams starb, ist Werkmeister Johann Conrads, ein rühriger
und fähiger Mitbürger, sein Nachfolger geworden. Heute noch
steht er, geliebt von seinen Sängern, geachtet in der ganzen Gemeinde,
als Dirigent an der Spitze des Vereins.
Seit dem Jahre 1869 nennt der Verein eine prachtvolle Fahne sein eigen.
Wie alte Sänger berichten, kostete sie 300 Taler und wurde in Aachen
im Kloster "Kind Jesu" gestickt. - Schwer fließt die dunkelrote
Sammetbahn am kunstvoll geschnitzten Schaft hernieder. Der Fahnenschaft
wurde von dem ehem. Sänger, dem Bau- und Schreinermeister Heinrich
Josef Hartmann, in kunstvoller Weise hergestellt und dem Verein geschenkt.
Auf der einen Seite trägt sie das Bild des Schutzpatrons des Vereins,
des hl. Gregorius nebst der Inschrift:
Cantate Domino canticum novum
Singet dem Herrn ein neues Lied.
Laus ejus in Ecclesia sanctorum.
Sein Lob erschalle in der Versammlung der Heiligen.
Auf der anderen Seite der Fahne liest man:
St. Gregorius-Verein in Röhe.
Darunter stehen eine Lyra und ein aufgeschlagenes Liederbuch mit Noten
und Text:
"Magnificat anima mea Dominum,
et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo."
"Hochpreiset meine Seele den Herrn,
und mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande."
Die Fahnenspitze wurde von der ersten Vereinswirtin, der Wwe. Peter Ohligschläger,
die im jetzigen Dostallschen Hauen der oberen Aachener Straße wohnte,
geschenkt und kostete 42 Taler. In ihrer ganzen Ausführung bis auf
die Spitze zu, die auch noch in Messing getriebene Heiligenbilder hat,
verrät die Fahne religiösen Geist und zeigt an, daß der
Verein vornehmlich Kirchengesang gepflegt hat. - An der Spitze der Fahne
blinken und blitzen zahlreiche Medaillen und zeugen von mancher Ehrung
des Vereins. Um die Brust des Fahnenträgers zu schmücken, stiftete
ein früheres Mitglied, der längst verstorbene Landwirt Michael
Emundts (am Kreuz an der Aachener Straße) eine kunstvolle goldene
Medaille. Das Amt des Fahnenträgers war nämlich früher
eines der ehrenvollsten im Verein, wie schon daraus hervorgeht, daß
derselbe für die Ehre, die Fahne tragen zu dürfen, alljährlich
fünf harte Taler in die Vereinskasse zahlen mußte. Der erste
Fahnenträger war der Bauunternehmer Paul Ohligschläger, dessen
Vater Peter Ohligsschläger unsere Pfarrkirche für 12000 Taler
erbaut hat. - Vor zehn Jahren, zum fünfzigjährigen Jubelfeste,
wurde die Goldstickerei der Fahne von der ehrwürdigen Schwester Salomea
des hiesigen Klosters kunstvoll erneuert.
Vieles hat der Verein im Laufe der langen Jahre zur Erbauung der Gemeinde
getan. Sein alljährlich stattfindendes Hauptfest ist heute noch ein
wahres Volksfest. Anfangs wurde es am Weißen Sonntag gefeiert, in
späteren Jahren am 2. Weihnachtstage. Auf diesen Festen wurden Chöre
und Volkslieder zum Vortrag gebracht, auch gelangten Theaterstücke
gediegenen Inhalts zur Aufführung. Ähnliche Festaufführungen
gab der Verein zum Besten der Pfarrkirche und konnte jedesmal eine erhebliche
Summe abliefern (z. B. Eschweiler Anzeiger, 25. 9. 1875: Am Kirmessonntag,
3. Oktober 1875 veranstaltet der Gregorius-Verein zu Röhe im Saal
des Herrn Schmitz ein Vokal- und Instrumental-Konzert zur Beschaffung
einer Statue des hl. Gregorius für die hiesige Kirche).
Die Feste der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, besonders den
Vogelschuß am Pfingstmontag, verschönerte der Verein durch
seine Lieder. Er sang am weißen Sonntag, wenn unschuldige Kinder,
begleitet von andachtsvollen Eltern und Verwandten, zum Gotteshause zogen,
den lieben Heiland zum ersten Male in ihr engelreines Herz aufzunehmen.
Seine frommen Weisen zogen mit dem Herrn der Welt, wenn er am Fronleichnamstage
durch die geschmückten Straßen, über die sonnigen Flure
getragen wurde. Wenn an hohen Festtagen im Schiff der trauten Heimatkirche
andachtsvoll die betende Gemeinde kniete, dann brausten die Gesänge
des Vereines von der Orgelbühne durch das weite Gotteshaus, den großen
Gott zu loben, ihn zu bitten, ihm zu danken. Mancher Freund und Sangesbruder
starb dahin, und wenn sein Leib unter leise rauschenden Friedhofbäumen
sanft hineingesenkt wurde, dann klagte ein leises Grablied seiner überlebenden
Kameraden um den Toten und tröstete mit dem Wiedersehen über
den Sternen. So zogen die Sänger im Jahre 1912 zum Nachbarorte Weiden,
um ihrem Gründer und ersten Dirigenten, der als der Älteste
der Lehrerschaft des ganzen Landkreises Aachen starb, bei der Beerdigung
den letzten Scheidegruß zu singen. Auch zur gemütlichen Geselligkeit
weiß der Verein zu einen. Alljährlich versammelt er seine aktiven
und inaktiven Mitglieder und deren Familien im Wald und froher Sang und
heiteres Kinderlachen erschallen, bis goldener Abendsonnenschein durch
die Stämme glänzt und die sinkende Nacht graue Nebelschleier
webt. Dann gehts mit munterem Marschlied nach Hause, wo bald schlummernde
Kinder einem noch schöneren Waldfeste entgegenträumen.
1914 -1918: Die furchtbare Kriegszeit kam und Jünglinge und Männer
mußten hinaus in den Kampf. Eisen und Blei und hitziges Fieber rafften
auch brave Vereinsmitglieder hinweg. Zehn Sänger starben den Heldentod,
zwei sind vermißt. Der Krieg ging vorüber; die anderen kamen
heim, und bald fanden sie sich wieder zusammen, den Gesang zu pflegen.
Eine Einigung der örtlichen Gesangvereine wurde erstrebt und durchgeführt.
Der St.-Gregorius-Verein erhielt den Namen St. Gregorius-Kirchenchor und
singt wieder wie in früheren Jahren zur Ehre Gottes, zur Erbauung
der Gemeinde.
Heute feiert der Verein sein sechzigstes Stiftungsfest. Eine prachtvolle
Fahnenschleife wurde ihm von der marianischen Jungfrauenkongregation,
die ihn heute zum zweiten Male beim Vortrag von gemischten Chören
unterstützt, verehrt. Eine große marmorne Erinnerungstafel
mit den Namen der Gefallenen und Vermißten schenkte dem Verein der
Festausschuß. Sie wird im Vereinslokale aufgestellt und wird bis
in späteste Zeiten die Sänger an den großen Krieg erinnern
und an die, die in ihm ihr Leben gelassen haben.
Möge der St. Gregorius-Kirchenchor fortbestehen, solange unsere
Nachkommen hier schaffen und beten, möge er immerfort weiterwirken,
zur Ehre Gottes, zur Erbauung der Gemeinde.
Auszug aus der Festschrift des MGV St. Gregorius Kirchenchores anläßlich
seines 100jährigen Bestehens vom 26. bis 28. August 1961
Niemand konnte bei der Enthüllung dieser Ehrentafel damals ahnen,
daß drei Jahrzehnte später zwei weitere Tafeln notwendig sein
würden, um die Namen der Opfer des zweiten Weltkrieges aufzunehmen.
Im Jahre 1933 bat Herr Conrads, mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes
Alter die Chorleitung einer jüngeren Kraft zu übertragen. Nur
ungern sahen ihn die Sänger scheiden, wußte doch jeder, wieviel
der Verein diesem unermüdlich tätigen Manne verdankte. Nachfolger
wurde der junge, hervorragend begabte Organist und Musiklehrer Heinrich
Huhn. Diesem übergab Herr Conrads nach 25jähriger Tätigkeit
den Chor zu treuen Händen und blieb selbst weiterhin ein eifriger
aktiver Sänger.
Im Zuge der 1933 erfolgenden Gleichschaltung aller Gesangvereine sah
sich der "St.-Gregorius-Kirchenchor" gezwungen, entweder dem
Deutschen Sängerbund beizutreten, oder aber auf jeglichen öffentlichen
Vortrag weltlichen Liedgutes zu verzichten. Um allen Schwierigkeiten aus
dem Wege zu gehen, entschloß man sich, unter dem Namen "St.-Gregorius-Gesangverein"
dem Sängerbund beizutreten.
Schon bald zeigte es sich, daß Herr Conrads in dem jungen Chorleiter
Huhn einen würdigen Nachfolger gefunden hatte, der nicht nur den
Stand des Chores halten, sondern sein hohes gesangliches Niveau nochverbessern
konnte. Glanzvoller Höhepunkt seines Schaffens, ja, man kann sagen,
der Höhepunkt der Vereinsgeschichte überhaupt war die 75-Jahr-Feier
des Vereins am 18. und 19. Juli 1936. Der große Saal des Gasthauses
"Zum Schwan" war zu klein, die zahlreichen Besucher der Veranstaltungen
zu fassen. Ein einmaliges Erlebnis für die Röher Sangesfreunde
waren die beiden Festkonzerte, für die Chorleiter Huhn hervorragende
Solisten und Chöre verpflichtet hatte.
Die Tagespresse lobte die ausgezeichneten Leistungen des Jubelchores,
der damals 54 Sänger auf die Bühne stellen konnte. Als Herr
Huhn diese stattliche Sängerschar mit noch zwei von ihm geleiteten
Chören zu einem Massenchor vereinte, kannte die Begeisterung der
Zuhörer keine Grenzen mehr. Ein musikalischer Leckerbissen waren
die Darbietungen des Solo-Quartetts des MGV "Sängerbund"
Köln-Mülheim. Immer wieder mußten die Mülheimer Sänger
den anhaltenden Applaus mit Zugaben quittieren.
Die Kette der Gratulanten wollte bei diesem Fest kein Ende nehmen. Kreisschulrat
Bappert als Vertreter der Regierung überreichte die vom Minister
für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gestiftete silberne Zelter-Plakette
für Verdienste um die Förderung des Chorgesanges und die Pflege
des deutschen Volksliedes. Diese Plakette hat heute noch ihren Ehrenplatz
im Vereinslokal. Anläßlich dieses Jubelfestes konnte der damalige
Vorsitzende Josef Keusgen seinen Vorgänger Franz Görres für
50jährige Mitgliedschaft ehren und zum Ehrenvorsitzenden ernennen.
Johann Conrads, der 40 Jahre Mitglied war, wurde zum Ehren-Chormeister
ernannt.
Große Erfolge errang der St.-Gregorius-Gesangverein auch bei den
damals üblichen Leistungs- und Wertungssingen. Überall waren
die Röher Sänger gern gesehene Gäste, deren musikalisches
Können sich hoher Wertschätzung erfreute.
Aber schon verdüsterten dunkle Wolken den politischen Horizont und
erfüllten die Menschen mit Angst und Sorge. Und dann brach der zweite
Weltkrieg aus. Alle jungen Chorsänger mußten sofort den Soldatenrock
anziehen; unter ihnen war 1940 auch Chorleiter Huhn. Für ihn sprang
trotz seines Alters Ehrendirigent Johann Conrads wieder in die Bresche
und ermöglichte so das weitere Auftreten des Chores wenigstens in
der Kirche. Aber die Situation wurde immer schwieriger. Auch die älteren
Sänger mußten hinaus an die Front; nur wenige Sänger fanden
sich zum Singen zusammen. Der Krieg verwüstete auch unser Heimatdorf;
eine Zeit harter Not und Entbehrungen begann für die Überlebenden.
Zehn treue Sangesbrüder waren draußen geblieben; viele andere
mußten jahrelang in trostloser Gefangenschaft schmachten. Die Kirche
war zerschossen, die Wohnungen lagen in Trümmern, und auch das Probelokal
Imping war weitgehend zerstört. Und doch schon in den ersten Nachkriegsmonaten
des Jahres 1945 fanden sich auf die Initiative von Peter Stüttgen
und dem langjährigen Vorsitzenden Josef Keusgen einige heimgekehrte
Sänger zusammen, um wieder zu singen. Im früheren Probesälchen
suchte man die noch verbliebenen Notenreste zusammen, und dann erscholl
aus den Trümmern - ergreifend und trostvoll für alle, die dabei
waren - ein Lied als Lob und Dank für die Gnade der Heimkehr.
Unter dem Vorsitz von Peter Stüttgen entfaltete der Verein, allen
äußeren Schwierigkeiten zum Trotz, schon bald wieder eine rege
Tätigkeit. Im Klostersaal wurde eine Notkirche eingerichtet, und
für alle Sänger und die ganze Gemeinde war es ein großer
Tag, als zum ersten Male nach dem Krieg wieder bei der heiligen Messe
durch den Kirchenchor das Lob Gottes erklang. Da noch viele Sänger
nicht heimgekehrt waren, halfen die Mädchen der Pfarrjugend mit,
einen gemischten Chor zu bilden. Das war jedoch nur vorübergehend;
schon 1947 konnte man wieder als Männerchor auftreten und so die
alte Tradition des Chores fortführen.
Im Jahre 1949 übernahm Josef Keusgen, der den Verein bis zum Kriegsende
geleitet hatte, den Vorsitz. Peter Stüttgen, der sich um den Wiederaufbau
des Chores so verdient gemacht hatte und mit unermüdlichem Eifer
und viel Idealismus jedem Sänger Vorbild war, wurde zum Ehrenvorsitzenden
ernannt. Für die folgenden Jahre gab die Persönlichkeit Josef
Keusgen dem gesamten Verein ein eindrucksvolles Gepräge. Aus dem
Geist seiner Gründer lebend, hielt der Verein am alten Brauchtum,
an seiner Tradition fest, stand auf der anderen Seite jedoch den Forderungen
unserer Zeit aufgeschlossen gegenüber, bemüht, in jeder Hinsicht
an Niveau zu gewinnen. Einen wesentlichen Anteil an dem Gelingen dieses
Bemühens hatte auch jetzt wieder Johann Conrads, der trotz hohen
Alters es noch immer meisterhaft verstand, seinen ihm ans Herz gewachsenen
Chor zu großen Erfolgen zu führen.
Nach insgesamt 35jähriger Chorleitertätigkeit trat dann Herr
Conrads im Frühjahr 1950 endgültig von seinem Amt zurück
und legte es in die Hände seines Nachfolgers Heinrich Zander, den
die Pfarrgemeinde als Küster und Organisten angestellt hatte. Der
junge Musiklehrer, Sohn des verstorbenen Röher Lehrers Michael Zander,
zeigte schon bald, daß er die an ihn gestellten Erwartungen erfüllen
würde. Auch er war, wie sein Vorgänger, musikalisch außerordentlich
begabt und stellte beim Röher Sängerfest anläßlich
des 90jährigen Bestehens in seinem Chor einen Klangkörper vor,
der, weit über die Grenzen des Heimatdorfes hinaus, seinen guten
Namen wahren und das Ansehen des Chores noch heben konnte.
Es war ein schwerer Schlag für den Verein, als nach langer Krankheit
Vorsitzender Josef Keusgen im Jahre 1954 verstarb. Zu seinem Nachfolger
wählte man einstimmig Peter Schauergans, der in Vertretung bisher
den Verein mustergültig geführt hatte. Der St.-Gregorius-Gesangverein
zeigte auch unter seinem Vorsitz immer wieder, daß sich seine Aufgabe
nicht auf den Gesang beschränkt, daß er wirklich als wesentlicher
Träger des kulturellen Lebens seines Heimatdorfes mitten im Leben
steht und in diesem Sinne immer wieder seinen Beitrag an die Gemeinschaft
leistet.
Den schönsten Beweis für diese Haltung erbrachten die Mitglieder
des Chores bei der Beschaffung einer neuen Orgel, da das alte Instrument
im letzten Kriege völlig zerstört worden war. In 19 Monaten
sammelten die Sänger 13000 DM, für die eine neue Orgel gebaut
werden konnte.
Ein Handballspiel zwischen Kirchenchor und Turnerfreundschaftsbund erbrachte
einen namhaften Betrag für die Kirchenbaukasse. Im Vereinslokal wurde
in einer würdigen Feier die Krieger-Gedächtnistafel erweitert.
Jahr für Jahr half der Chor mit, die Feierstunden am Kriegerehrenmal
zu gestalten. Auch an den Veranstaltungen der übrigen Ortsvereine
waren die St.-Gregorius-Sänger im Rahmen des Möglichen aktiv
beteiligt.
Ein weiterer schwerer Verlust traf den Kirchenchor im Jahre 1957, als
der geistliche Präses, Pfarrer Johannes Elsing, plötzlich und
unerwartet verstarb. Tief erschüttert standen die Sänger am
Grabe des Priesters, der ihnen stets ein väterlicher Freund und Helfer
gewesen war. In ihrer aller Herzen wird sein Andenken weiterleben.
Fortsetzung der Vereinschronik nach 1961
Der neue Pfarrer - Präses Nikolaus Pohen stellte schon bald fest,
daß die Vereinsstuten nicht mit den Diözesanstatuten übereinstimmten.
Er konnte sich zunächst gar nicht damit abfinden, daß der Chor
nicht den Namen des Pfarrpatrons, St. Antonius, trug, sondern nach wie
vor den Traditionsnamen St. Gregorius führte. Ein weiteres Problem
war die Bezeichnung "Gesangverein", die der Präses lieber
durch "Kirchenchor" ersetzt hätte. Dies entsprach nun weder
Absicht der Gründer des Chores noch seiner Tradition noch der Auffassung
seiner jetzigen Mitglieder, die stolz darauf waren, als Männergesangverein
gleichzeitig auch die Funktion eines Kirchenchores auszuüben. Schließlich
einigte man sich im Jubeljahr 1961 auf einen Kompromiß: Sankt Gregorius
blieb der Vereinspatron, der Gesangverein als "MGV" ebenfalls,
und "Kirchenchor" wurde hinzugefügt.
Am 26./27. 8. 1961 feierte der "MGV St. Gregorius Kirchenchor"
sein 100jähriges Bestehen in einem glanzvollen Jubelfest. "Ganz
Röhe war auf den Beinen", lautete die Schlagzeile in der Lokalpresse.
Der Vereinsvorstand hatte keine Mühe gescheut, dem Fest einen repräsentativen
Rahmen zu geben: Ein Festabend am Samstag in einem für Röhe
einmaligen Riesenzelt-Restaurant mit über 800 Besuchern, darunter
der Protektor des Jubiläums, Prälat Prof. Th. B. Rehmann, Diözesanpräses
aller Kirchenchöre. Mitwirkende: Traditionskapelle des EBV Kohlscheid
und Meisterchor "Orphea" Bardenberg. - Ein feierliches Pontifikalamt
am Sonntagmorgen, zelebriert von Weihbischof Hünermann: An der Orgel:
Domorganist Herbert Voß, Aachen. - Ein imposanter Festzug am Sonntagnachmittag
unter Beteiligung aller Ortsvereine, von 10 auswärtigen Gesangvereinen
und der EBV-Kapelle. Abschließend Freundschaftssingen aller Gesangvereine
auf dem Schulhof.
Es ist eine alte Erfahrung, daß viele Vereine nach großen
Jubiläen kritische Zeiten zu bewältigen haben, gerade auch Gesangvereine.
Dem "MGV St. Gregorius" erging es nicht anders, das Jubelfest
hatte eine Menge Energie verbraucht, und man trat etwas kürzer. Stetig
fallende Tendenz bei den Probenbesuchen ließ den Chor musikalisch
auf der Stelle treten, sein Repertoire schrumpfte. Dies nahm allerdings
nie den Charakter einer ernsthaften Krise an, zumal das gesellige Leben
nach alter Tradition gepflegt und auch der Kontakt zu befreundeten Vereinen
aufrechterhalten wurde.
Am 21.10. 1962 wurde dem Jubelchor in der Stadthalle zu Mülheim
offiziell die Zelterplakette verliehen. Sie erhielt einen Ehrenplatz in
dem neuen Vereinslokal Albert Nickel. Hier probte man seit dem 20. 7.
1962, weil der bisherige Vereinswirt Willi Imping sein Lokal geschlossen
hatte. Der Wechsel fiel den Sängern nicht leicht; denn immerhin.
hatten sie sich im alten Vereinslokal Imping, früher Dickmeis, über
viele Jahrzehnte wie zu Hause gefühlt.
Eine Vielzahl von Veranstaltungen kennzeichnet die Vereinsgeschichte
der nächsten Jahre, wie z.b. die Teilnahme an Freundschaftssingen
und Konzerten befreundeter Gesangvereine, die Gestaltung einer "Wilhelm-Rinkens-Gedächtnisfeier"
am 20. 6. 1963 in Röhe, (Rinkens war ein bekannter Komponist, der
in Röhe geboren wurde. Der Rinkensplatz ist nach ihm benannt.) jährliche
Vereinsausflüge, Stadtgartenkonzerte u.ä.
Unter den Vereinsausflügen sind erwähnenswert die Fahrt nach
Wittgenborn 1963, Rheinbrohl 1965, jeweils verbunden mit einem Konzert
vor großem Publikum, sowie die jährlichen Pfingstwanderungen
nach Steinbachhochwald, die bis heute noch regelmäßig durchgeführt
werden.
Dies alles jedoch konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß
der Chor musikalisch auf der Stelle trat. Der Probenbesuch sank Jahr für
Jahr und erreichte 1968 den Tiefpunkt von 35-40 %. Chorleiter und Vorstand
suchten intensiv nach Möglichkeiten, die Sänger neu und anhaltend
zu motivieren. Man fand die Lösung in der langfristigen Planung regelmäßiger
Konzertveranstaltungen mit einem sehr hohen Anspruchsniveau. Erstes Konzert
dieser Art war eine "Kirchenmusikalische Andacht" am 16. 3.
1969 in der Röher Pfarrkirche St. Antonius. Wurde dieses Konzert
noch ausschließlich mit eigenen Kräften bestritten, lud man
sich zum "Kleinen Jubiläum" im Jahr 1971 einen Meisterchor
als Partner ein: MGV "Hilaria" Eilendorf unter Leitung von Kreischormeister
Bruno Hütten. Der direkte Vergleich mit einem so qualifizierten Chor
vor eigenem Publikum war für die Röher Sänger eine echte
Herausforderung, die sie mit einer überzeugenden Leistung annahmen.
Die Kirche war mehr als überfüllt, und das Konzert wurde für
alle Zuhörer zu einem einmaligen Erlebnis.
Der MGV "St. Gregorius" hatte sich gefangen, und von nun an
ging es unaufhaltsam nach oben. Sänger und Chorleiter hatten erkannt,
daß auch ein Chor aus der "Provinz", wenn er gefordert
wird und über entsprechendes Stimmenmaterial verfügt, durchaus
einem Vergleich mit namhaften Chören standhalten kann. Und so brachten
auch die folgenden Gemeinschaftskonzerte jeweils eine weitere Leistungssteigerung,
vor allem in der modernen Chorliteratur, und große Erfolge: 1973
mit MGV "Liederkranz" Würselen unter Leitung von Heinz
Gärgen, 1975 mit MGV "Sängerbund" Dürwiß
unter Leitung von Otto Bücken, 1976 mit Männerquartett "Harmonie"
Eschweiler-Nothberg unter Leitung von Hans Josef Roth.
Unzweifelhaft hatte der MGV "St. Gregorius" nun den Höhepunkt
seiner musikalischen Leistungsfähigkeit überhaupt erreicht.
Drei großartige Konzertveranstaltungen dieser Periode bleiben den
Sängern unvergeßlich: Die Südtirolfahrt 1976, das Gemeinschaftskonzert
zusammen mit dem Männerquartett "Harmonie" in der Aula
des Schulzentrums Eschweiler-Stadtmitte 1977 und die erstmalige Teilnahme
an einem internationalen Wettstreit für Männerchöre am
12. 3. 1978.
Anläßlich der mehrtägigen Sängerfahrt nach Schenna
begeisterten die Röher Sänger im Großen Kursaal von Meran
anläßlich eines Brauchtumsabends der Musikkapelle Schenna mehr
als 700 Besucher. Das Konzert in der Pfarrkirche von Schenna war wohl
das schönste Kirchenkonzert in der Vereinsgeschichte. Chorleiter
Heinrich Zander hatte seinen Chor optimal vorbereitet und zur Hergabe
seines ganzen Könnens motiviert. Bei der einmaligen Akustik der Kirche
und der in allen technischen Belangen ausgereiften und perfekten Darbietung
der Chorwerke bedankte sich das zahlreiche und fachkundige Publikum mit
einem wahren Beifallssturm - ein Novum für Schenna, wie der Pfarrer
feststellte.
Das Konzert im Schulzentrum war ein verspätetes Jubiläumskonzert
anläßlich des 115jährigen Bestehens des Röher Chores.
Die Lokalpresse bezeichnete "die auf hohem Niveau stehende Darbietung
der A-capella Werke durch zwei der führenden Eschweiler Männerchöre"
als einen "Höhepunkt für die einheimischen Freunde der
Männerchormusik".
Unter dem Leitgedanken "Das Lied beherrscht die Welt" stellten
sich rund 600 Sänger aus dem Dreiländereck am 12. 3. 1978 in
Raeren einer internationalen Jury. Bei den Männerchören errang
der MGV "St. Gregorius" auf Anhieb den ersten Preis und wurde
mit einer Wanderplakette des Handwerker-Gesangvereins Raeren, dem Pokal
des Ministers für französische Kultur und einem Ehrenpreis der
Ministerin für flämische Kultur Belgiens ausgezeichnet. ",St.
Josef Kaalheide (NL) hat einen würdigen Nachfolger gefunden",
schrieb das "Eupener Grenzecho" am nächsten Tag. "Als
der zupackende Chorleiter Heinrich Zander mit dem ,Landsknechtsständchen'
begann, stand fest, daß das Publikum noch verwöhnt werden würde.
Der Chor war für den Auftritt optimal eingestellt, da stimmte einfach
alles, Rhythmus, Dynamik, Intonation, Sauberkeit der Einsätze. Der
prachtvolle Wahlchor ,David und seine Harfe' wirkte wie aus einem Guß.
Chor und Dirigent bildeten eine faszinierende Einheit. "Ein nahezu
perfekter Chor", lautete der Kommentar des Fachkritikers.
Unter Mitwirkung von vier auswärtigen Solisten und Domorganist Herbert
Voß veranstaltete der Chor anläßlich der Orgelweihe am
5. I 1. 1978 ein Kirchenkonzert in der wiederhergestellten Röher
Pfarrkirche. Ein Großbrand hatte die kaum erst völlig renovierte
alte Kirche bis auf die Grundmauern vernichtet. Wie schon einmal in den
ersten Nachkriegsjahren hatte der Kirchenchor spontan beschlossen, eine
Aktion zugunsten einer neuen Orgel durchzuführen. Die Sänger
gestalteten an vielen Sonntagen in den Eschweiler Pfarrgemeinden Gottesdienste
oder führten Konzerte durch. Nach Abschluß dieser Aktion konnte
man dem Kirchenvorstand einen Scheck über 8.120 DM überreichen.
Beim Wiederaufbau war der Innenraum der Kirche wesentlich verändert
worden und damit leider auch die Akustik. Die Sänger konnten sich
nur schwer damit abfinden, daß infolge der nunmehr sehr trockenen
Akustik der für den Röher Chor typische, weiche, runde Klang,
die feine Nuancierung in der Dynamik und ein beinah ausgehauchtes Pianissimo
beim Decrescendo in der eigenen Pfarrkirche nicht mehr möglich war.
Keinerlei Hall, kein getragener Klang unterstützt seither den Vortrag
der Sänger, ganz besonders, wenn er von der Orgelempore erfolgt.
Schade, wo man in Röhe gerade im akustischen Bereich bisher geradezu
verwöhnt war.
Ein großer Verlust traf den MGV "St. Gregorius" am 21.
9. 1979, als nach kurzer, schwerer Krankheit Chorleiter Heinrich Zander
plötzlich und unerwartet verstarb. "Wir verlieren in dem Verstorbenen
einen fähigen Dirigenten, einen bescheidenen, stets lebensfrohen
Menschen, unseren Freund", schrieb der Vereinsvorstand in einem Nachruf.
"Ausgezeichnet durch eine hohe musikalische Begabung und hervorragende
menschliche Grundeigenschaften, hat er in fast 30jähriger Tätigkeit
als Dirigent unserem Chor Format und Niveau gegeben".
Es dauerte fast ein Jahr, bis ein Nachfolger berufen war. In der Zwischenzeit
ging das Vereinsleben mit seinen musikalischen und gesellschaftlichen
Verpflichtungen weiter. Die Chormitglieder Helmut Lausberg und Simon Stump
übernahmen gemeinsam Probenarbeit und Durchführung von Veranstaltungen.
Die Sängerfahrt in den Salzburger Raum im Oktober 1979 mit einem
mehrtägigen Aufenthalt am Wolfgangsee festigte erneut das Band der
Sängerfreundschaft, zumal auch die ältesten Chorsänger
noch mit von der Partie waren. Weitere Fahrten folgten: 1981 St. Peter
im Schwarzwald, 1983 Dettelbach am Main. Hier gestaltete der Röher
Chor zusammen mit dem Dettelbacher Gesang- und Orchesterverein ein Konzert
mit anschließendem geselligen Abend, von dem besonders die Dettelbacher
hellauf begeistert waren. "Chor stellt Notenständer in die Ecke",
konnte man in der Dettelbacher Tageszeitung lesen. "Dann warteten
die Sangesbrüder aus Eschweiler zur Überraschung der Zuhörer
nach dem offiziellen Teil mit einem Riesenrepertoire an lustigen Liedern
auf. Die flexiblen Sänger verzichteten dabei auf jegliches Notenmaterial."
Feste feiern gehört zur Tradition des Chores. Und daß die
Röher Sänger auch auf diesem Gebiet ihre Freunde zu begeistern
wissen, fanden nicht nur die Dettelbacher bemerkenswert. Gerade in Röhe
ist die Mitwirkung des MGV St. Gregorius bei allen Veranstaltungen vieler
Ortsvereine unverzichtbar. Das gilt nicht zuletzt für die Feier des
Röher "Fastelovend", wo die Sänger kräftig mit
auf die Pauke schlagen. Seit 1979 veranstaltet man wieder regelmäßig
das altbekannte "Wurstessen", eine Karnevalssitzung von Format,
die ausschließlich mit eigenen Kräften bestritten wird.
Ein außergewöhnliches Ereignis war der Besuch des "Cecylianski"
Kirchenchores aus Krakau am 15.11.1981. Die polnischen Sänger weilten
zwei Tage in Röhe, wo sie bei Sängerfamilien untergebracht waren.
Eine Welle der Sympathie schlug diesem hervorragenden Chor entgegen und
begründete eine Freundschaft, die bis zum heutigen Tage anhält.
Zahlreiche Hilfstransporte für notleidende Mitmenschen in Polen wurden
von den Kirchenchorsängern organisiert und durchgeführt.
Anläßlich seines 120jährigen Bestehens veranstaltete
der MGV "St. Gregorius" einen Konzert- und Unterhaltungsabend
in der bis auf den letzten Platz besetzten Röher Turnhalle. Ein voller
Erfolg - auch für den neuen Chorleiter Franz Surges, der an diesem
Tag in Röhe sein erstes weltliches Konzert leitete. Am 29. 11. 1981
verlieh der Diözesan Cäcilienverband in Aachen dem Chor die
Palestrina-Medaille für seine Verdienste zur Förderung der Kirchenmusik.
In diesem Jahre nun kann der Jubelverein mit Stolz auf 125jähriges
Wirken zurückblicken. Die geistliche Führung liegt in den Händen
seines Präses, Herrn Pater Oomens, seit 1985 Nachfolger von Pfarrer
Laumen, der seit 1973 die Pfarre St. Antonius Röhe betreut hatte.
Hans Franken leitet als Vorsitzender seit 1984 das Vereinsgeschehen als
Nachfolger von Simon Stump.
"Möge die Zukunft für den Jubelverein eine glückliche
Zeit des Friedens und Wohlergehens sein, damit es ihm gelinge, seine vornehmste
Aufgabe zu erfüllen: Der ,Musica sacra' zu dienen und als Kirchenchor
in seinem Lied Gottes Größe und Herrlichkeit zu verkünden
- möge er ferner als ein bedeutender Träger des kulturellen
Lebens unseres Heimatdorfes durch die Pflege des deutschen Liedes viel
Menschen für das Gute und Schöne begeistern und ihnen echte
Herzensfreude bringen, die unsere an geistigen Werten so arme Zeit dringend
braucht."
Simon Stump
In Röhe wird Chor-Tradition groß geschrieben
Männergesangverein St. Gregorius blickt auf 135 Jahre zurück
- Gratulationscours am 21. Juni, Konzert am 23. Juni
Von Simon Stump
Eschweiler. Unter den Röher Ortsvereinen ragt
einer ganz besonders heraus: Der MGV St. Gregorius kann in diesen Tagen
zurückblicken auf stolze 135 Jahre ununterbrochener Tätigkeit
und ist damit einer der ältesten Männerchöre der Stadt
Eschweiler.
Gegründet wurde er bereits 1853 er ist somit ältester
Röher Verein unter dem Patronat des damaligen Pfarrers Matthias Joseph
Johnen (Pfarrer in Röhe von 1852 bis 1906) von dem jungen Lehrer
Severin Vogler, der an der zweiklassigen Elementarschule am heutigen Rinkensplatz
tätig war.
Der zunächst noch nicht straff organisierte Männerchor
übernahm die Aufgabe eines Kirchenchores und widmete sich gleichzeitig
der Pflege weltlichen Liedguts.
Offizielles Gründungsjahr des Gregorius-Vereins:
1861
Andreas Esser, der 1861 als erster Kaplan an die Röher
Pfarre berufen und zum geistlichen Präses des Chores ernannt wurde,
ging zusammen mit Lehrer Vogler sofort daran, das Vereinswesen zu konsolidieren.
Vermutlich noch im selben Jahr wurden ein Vorstand gebildet und ein vorläufiges
Vereinsstatut beschlossen. Der "Gregorius-Verein zu Röhe",
so der offizielle Vereinsname, datierte nunmehr 1861 als das Jahr seiner
Gründung.
Die Funktion eines Kirchenchores übte der Röher
Männergesangverein mit Ausnahme der Jahre 1871 bis 1878 und 1908
bis 1921 bis zum Jahr 1989 aus. Der Vereinsname wurde mehrfach geändert:
bis 1921 "Gregorius-Verein", ab 1921 "St.-Gregorius-Kirchenchor",
ab 1933 "St.-Gregorius-Gesangverein", ab 1961 "MGV St.
Gregorius Kirchenchor" und ab 1989 "MGV St. Gregorius".
Bis heute der geistlichen Musik verschrieben
Daß der MGV auch heute noch die Pflege geistlicher
Musik, die Durchführung von Kirchenkonzerten und die regelmäßige
Gestaltung von Gottesdiensten in der Heimatpfarrkirche für eine Selbstverständlichkeit
hält, liegt zum einen an dem starken Traditionsbewußtsein aller
Sänger; zum andern fühlt sich der Chor aber auch in hohem Maße
der Tatsache verpflichtet, daß ihm als wichtiger Partner im Pfarr-
und Gemeindeleben eine bedeutende Rolle zukommt.
135 Jahre sind kein "rundes Jubiläum", und
eine ausführlichere Darstellung der Vereinsgeschichte bleibt bedeutenderen
Anlässen vorbehalten. Hervorheben sollte man an dieser Stelle allerdings
einmal drei frühere Dirigenten, die zusammen den Chor allein fast
ein Jahrhundert leiteten. Aufgrund dieser ungewöhnlich langen Tätigkeit
und ihrer vielseitigen Kompetenz formten, forderten und förderten
sie den Röher Männerchor in vorbildlicher Weise und hinterließen
jeweils ein weites Standard-Repertoire, das noch nach Jahrzehnten seine
Zuhörer begeisterte.
Der Gründer Severin Vogler leitete den Chor 36 Jahre
lang. Er war eine kraftvolle, überzeugende Persönlichkeit und
ein Mann mit Weitblick, der auch in den schwierigen Jahren des Kulturkampfes
(1871 bis 1878 war dem "Gregorius-Verein" das Mandat eines Kirchenchores
entzogen) unbeirrt für seinen Chor musikalische und vereinspolitische
Akzente setzte. Vogler scheute sich auch nicht, für die Sänger
recht ungewohnt, bei der Aufführung größerer Chorwerke
mit Hilfe von Mädchen und Knaben einen stattlichen gemischten Chor
zu bilden. Seinen Männerchor-Nachwuchs zog er sich persönlich
in einem Knabenchor heran.
Voglers Nachfolger wurde 1908 Johann Conrads
Besondere Ausstrahlungskraft, straffe Chorführung
und eine hohe Sensibilität für feinsinnige Werkgestaltung zeichneten
Johann Conrads aus, der den Chor von 1908 bis zu seiner altersbedingten
Verabschiedung 1933 leitete, dann aber nach der Einberufung seines Nachfolgers
Heinrich Huhn von 1940 bis 1950 seinen Dienst an der Röher Kirche
noch einmal aufnahm.
Der Autodidakt Johann Conrads war aus den Reihen des "Gregorius-Vereins"
hervorgegangen. Seine langjährige Tätigkeit als Vizedirigent
hatte nicht nur seinen Sinn geschärft für Stimmen und Harmonien,
für textorientierte Einstudierung insbesondere balladenhafter Chorwerke
und Volksliedbearbeitungen, sondern ihn schon früh reifen lassen
zu einem kompetenten wie inspirierten, überaus vielseitigen Dirigenten.
Es war nicht zuletzt sein Verdienst, daß auch in den Notzeiten zweier
Weltkriege und der ersten Nachkriegsjahre der Chor aktiv bleiben konnte.
Kritiker schrieb: "Ein nahezu perfekter Chor"
Sein unmittelbarer Nachfolger Heinrich Zander, ein außergewöhnlich
begabter Musiker "waschechter Röher Junge" übrigens.
Er entwickelte sich schnell zum idealen Partner. für die Röher
"Gregorianer", denen er menschlich und emotional verbunden war
wie kein anderer Dirigent vor oder nach ihm. Aufbauend auf dem musikalischen
Erbe seines Vorbildes Johann Conrads, von dem er Bewährtes übernahm
und fortführte, setzte er zunehmend eigene Akzente und erarbeitete
ein anspruchsvolles Repertoire neuer Chorwerke, vor allem auch von zeitgenössischen
Komponisten, denen seine Liebe gehörte.
Heinrich Zanders meisterhaftes Intonationsvermögen,
seine unkomplizierte, präzise Stabführung und ein sicheres Gespür
für publikumswirksame Interpretation machten den MGV St. Gregorius
bald zu einem im ganzen Eschweiler Raum, vor allem auch in Fachkreisen,
angesehenen und beliebten Chor. 1978 kommentierte ein belgischer Musikkritiker
den Auftritt des Chores bei einem internationalen Sängerwettstreit
in Raeren so: "Chor und Dirigent bildeten eine faszinierende Einheit.
Ein nahezu perfekter Chor".
Ein Jahr darauf starb Heinrich Zander plötzlich nach
kurzer, schwerer Krankheit. Ein Verlust, der den MGV St. Gregorius aufs
schwerste traf. Aber der beliebte Chorleiter ist nicht vergessen: Vortragsweise
und Repertoire des Chores lassen in vielem noch heute seine musikalische
Handschrift erkennen. Seit 1. November 1995 leitet Rolf Besse, ein erfahrener
Kirchenmusiker und Dirigent, den Röher Chor. Seine hervorragende
Musikalität und ein dynamischer Vereinsvorstand, an der Spitze Heinz-Willi
Schiffeler, bieten die Gewähr dafür, daß der MGV St. Gregorius
auch in Zukunft viele Menschen mit seinem Gesang erfreuen und begeistern
wird.
Zwei Veranstaltungen zum 135jährigen Bestehen
Eine offizielle Würdigung erfährt das Jubiläum
durch zwei öffentliche Veranstaltungen in Röhe: Am Freitag,
21. Juni, 20 Uhr, findet im Vereinslokal Nickel-Adams eine Jubiläumsfeier
mit Gratulationscours und Programm statt. Am Sonntag, 23. Juni, 11.15
Uhr, beginnt in der Röher Mehrzweckhalle (Grundschule) das "Freundschaftssingen",
ein. hochrangiges Chorkonzert, bei dem außer dem Jubelverein sieben
befreundete Männerchöre mitwirken werden.
aus: Festschrift 600 Jahre
Röhe (1948)
St.-Gregorius-Gesangverein
Wie oft sprach er im Lied zu verwandten Herzen und vereinte die ganze
Gemeinde mit geheimer und doch so gewaltiger Macht.
Im Jahre 1861 wurde der St.-Gregorius-Gesangverein durch den damaligen
Lehrer Severin Vogler und mehrere sangesfreudige Männer des Ortes unter
dem Protektorat des Pfarrers Matthias Josef Johnen ins Leben gerufen.
Pflege des Gesanges in jeglicher Richtung und gesellige Unterhaltung waren
das Leitmotiv, das die Männer vor nunmehr 87 Jahren in echter Sangesfreundschaft
zusammenführte.
Neben der Pflege des Chorgesanges und des deutschen Volksliedes wurde
auch der Kirchengesang zur Verschönerung des Gottesdienstes übernommen.
Das Gründungsstatut, das damals niedergeschrieben und von sämtlichen
Mitgliedern unterschrieben wurde, ging leider durch die Geschehnisse des
letzten Weltkrieges verloren.
Die Treue und opferfreudige Hingabe der Sänger an den Verein wurde im
Jahre 1869 durch die Weihe einer prachtvollen Fahne aufs neue besiegelt.
Die Leitung des Vereins übernahm Herr Lehrer Vogler. Er bekleidete dieses
Amt volle 28 Jahre bis zu seiner Berufung als Hauptlehrer nach Weiden
im Jahre 1889.
Sein Nachfolger wurde der damalige Küster und Vizedirigent Herr Hubert
Bertrams, welcher bis zu seinem Tode im Jahre 1908 dem Verein ein rühriger
Leiter war. Während der Amtszeit des Herrn Bertrams hatte sich bereits
eine neue Kraft herangebildet, und zwar in der Person des aktiven Mitgliedes,
des Herrn Johann Conrads.
Freudig unterstellten sich dann die Sänger seiner Leitung. Wenn von großen
Erfolgen gesprochen werden kann, die der Chor in der Folgezeit zu verzeichnen
hatte, so sind dieselben in der Hauptsache seiner opferfreudigen und zielbewußten
Arbeit als Chorleiter zu verdanken. So konnte der Verein im Jahre 1911
sein 50jähriges Jubelfest mit 50 aktiven Sängern unter seiner Leitung
feiern.
Dann folgte im Jahre 1921 das Fest des 60jährigen Bestehens. Beide Feiern
legten Zeugnis ab für die freudige Opferbereitschaft der Sänger, insbesondere
aber für die zielbewußte und straffe Leitung des Chormeisters.
Als im Jahre 1833 Herr Conrads mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes
Alter die Leitung des Vereins einer jüngeren Kraft zu übertragen bat,
fiel die Wahl auf den jungen und talentvollen Musiklehrer Herrn Heinrich
Huhn. Diesem übergab Herr Conrads nach 25jähriger erfolgreicher Tätigkeit
den Chor zu treuen Händen und blieb selbst noch lange Zeit ein eifriger
aktiver Sänger.
Herr Huhn übernahm dann die Leitung des Vereins mit fester und fachkundiger
Hand. Er hat es meisterhaft verstanden, das von Herrn Conrads übernommene
Erbe nicht nur zu halten, sondern es wesentlich zu mehren.
Sein Können und musikalisches Genie kamen bei der 75-Jahr-Feier des Vereins
am 18. und 19. Juli 1936 zur glanzvollen Entfaltung. Diese Feier war der
Höhepunkt in der Geschichte des Vereins, an der der ganze Ort regsten
Anteil nahm. Der Besuch vieler auswärtiger Brudervereine sowie zahlreiche
Glückwünsche aus nah und fern legten beredtes Zeugnis ab für die Beliebtheit,
deren der Verein sich überall erfreute.
Bei dieser Feier wurde dem Verein durch den Kreisschulrat Bappert als
Vertreter der Regierung die vom Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst
und Volksbildung gestiftete silberne Zelter-Plakette für Verdienste um
die Förderung des Chorgesanges und die Pflege des deutschen Volksliedes
überreicht.
Neben all diesen schönen Erfolgen hat der Chor aber auch schwere Verluste
zu beklagen gehabt. Im Weltkriege 1914-18 starben 10 treue Sänger den
Heldentod, 2 weitere blieben vermißt. Beim letzten Weltbrand ließen 8
tapfere Sänger ihr junges Leben. In den Herzen der übrigen Sänger aber
leben sie weiter, und ihr Andenken wird stets in Ehren gehalten.
So lebt der Geist der vor 87 Jahren die Gründer des Vereins beseelte,
auch heute noch in den Reihen der Sänger fort. Nicht einen Tag hat der
Verein in diesen langen Jahren geruht. Weder Krieg noch sonstige Ereignisse
haben je vermocht, das innige Band echter Sangesfreundschaft zu zerreißen.
Dafür zeugt eine ansehnliche Anzahl von aktiven Sängern, die heute auf
eine 25- bis 50jährige Mitgliedschaft zurückblicken können.
Heute führt Herr Conrads trotz seines Alters wieder den Dirigentenstab.
Er sprang in die Bresche, als der Ruf zum Heeresdienst an den Chorleiter
Herrn Huhn erfolgte. Möge dieser Geist selbstloser Hingabe und opferfreudiger
Sangesfreundschaft dem Verein auch fernerhin erhalten bleiben, und möge
es ihm vergönnt sein, nach weiteren 13 Jahren die Feier des 100jährigen
Bestehens mit der alten Liebe und Begeisterung für die edle Kunst des
Gesanges zu begehen!
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